Dark Sound – Review # 06

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MIKEL R. NIETOs Dark Sound (Gruen 167, Book + CD) verblüfft als Buch von 176 Seiten, Schwarz auf Schwarz (!) bedruckt mit Texten in Huao, Baskisch (Nietos Muttersprache), Spanisch und Englisch. Der Preis richtet sich nach dem aktuellen Ölkurs des Brent Crude Oil. Mein Wer ? Wo? Was? zu Huao führt zu den Huaorani, eine Volksgruppe im Amazonasurwald, deren harter Kern in einer zona intangible vor Holzfällern und Erdölfirmen letzte Zuflucht fand. Allerdings hatte ihnen in ihrer ‚guten alten Zeit‘ Blutrache eine interne Tötungsrate beschert wie einst in Medellin und Ciudad Juárez oder jetzt in Caracas. Das Huaorani-Reservat liegt nahe des Yasuni-Nationalparks und der Tiputini Biodiversity Station im ecuadorianischen Amazonasgebiet, das als Dschungel mit seinen kurios pfeifenden und knarrenden Bewohnern hörbar wird: Nachtschwalbe und Schreipipa, Fledermaus, Ameise & Co. Hörbar gemacht wird aber quasi auch die Neugier und die Besorgtheit der Forscher und die Drohkulisse der Ölbohrmaschinen in beunruhigender Nähe, der Krach eines Mantelstromtriebwerks, eines Yamaha Enduro, eines Caterpillar-Bohrers etc. Jede dieser Klangquellen wird einzeln beschrieben. Dazu kommen die Texte „There Where The Devil Sounds“ und „Conquest of the Useless“ (über den Tod der Missionare Alejandro Labaca und Inés Arango und die – gescheiterte – Yasuni-ITT-Initiative zum Schutz des Yasuni-Nationalparks vor der Ölgier). Zusammen mit einer Zeittafel, die mit „1492: Christopher Columbus does not discover America“ beginnt und mit „2017: Oil will run out“ endet, liefert das ein ökopolitisches Statement und weiteres Kapitel ‚traurige Tropen‘, das einen schwarz sehen lässt. Mitsamt dem Widerhaken, dass selbst diese kritische Produktion nicht umweltunschädlich zu bewerkstelligen war. Mit Nietzsches „…ich liebe den Schatten, wie ich das Licht liebe“ zeichnet sich dunkel eine Philosophie des lebendigen Hörens und der tödlichen Stille ab, die Sentenzen von Artaud, Heidegger, Derrida und Serres mit solchen der Huaorani mischt, wobei sich Aporien des Nichterkennens und Nichtverstehns mit abzeichnen. Wer kann schon Baskisch. Oder wenn es raunt: All predators fear the death that they cause… Und: From where I come from there is an open wound in the landscape: a noise that sounds, a misophonia. A dystrophic symphony. Wie klingt eine mangelernährte Symphonie?

Bad Alchemy

12. August 2016 by MikelRNieto
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